Mit dem Ballon in die Freiheit

Wie ein Tuch hat sich die Nacht herabgesenkt. Der Sturm peitscht wild ums Haus. Ganz so, als wolle er alle Geräusche verschlucken, die aus den Fensterritzen nach draußen dringen könnten. In der Stube sitzen zwei Familien. Heimlich schmieden sie einen Plan. Einen gefährlicher Plan, der sie und ihre Kinder aus diesem Land bringt. Sehnsucht beflügelt sie, treibt sie an, um einen Weg in die Freiheit zu finden. Es ist das Jahr 1978. Deutschland ist geteilt. Und Peters Eltern wollen aus der DDR flüchten. Doch dieses Unterfangen birgt ein großes Risiko in sich. Denn die Staatssicherheit weiß von ihren Absichten …

Hunderte Meter von Stoff, Unmengen Nylongarn, Bleche, Winkel, einen Brennen, dazu einen Korb, der die Familien durch einen geteilten Himmel trägt. Etappenweise muss all dies organisiert werden, um bloß nicht aufzufallen. Peters Vater arbeitet jede Nacht am Ballon – ein Jahr lang. Und jeden Morgen sind die Spuren der Arbeit verborgen, ganz so als hätte Peter das Geräusch der Nähmaschine und das Leuchten des Schweißgerätes nur geträumt. Aber eines wolkenverhangenen Abends im September ist es soweit. Peters Familie und deren Freunde wagen es. Mitten im Wald soll ein Ballon aus bunten Flicken in die Luft steigen. Doch da blitzt das Taschenlampenlicht der Polizei schon zwischen den Bäumen auf. Wird den Familien die Flucht in den Westen gelingen?

Aus Sicht des kleinen Jungen Peter erzählt Kristen Fulton die Geschichte eines waghalsigen Unternehmens. Es ist die wahre Geschichte der Familien Wetzel und Strelzyk, die sich nur eins wünschen: in Freiheit leben. Doch dafür müssen sie eine Grenze überwinden, an der man auf Menschen schießt. Menschen, die lieber tot sein sollen, als ein Land zu verlassen, das sich sorgsam eingerichtet hat hinter Stacheldraht und Betonmauern.

Mit dem Ballon in die Freiheit erscheint pünktlich zum 30. Jahrestag des Mauerfalls und berichtet von einem geteilten Land und den Menschen, die sich nach der anderen Seite sehnten. Die riskante Flucht der Familien kleidet Torben Kuhlmann in spektakuläre Szenen. In den Illustrationen liegt eine Kraft, die eine Bandbreite von Emotionen beim Betrachter auslöst – von der Lebensangst, dem Bangen und Hoffen, Verzweiflung und Adrenalinschüben, der tiefen Dankbarkeit und einer Euphorie, die sich im Feuerwerksspektakel des Vaters nach der geglückten Flucht entladen darf.

Es ist ein Gänsehaut-Buch, welches Ravensburger hier präsentiert. Authentizität neben höchster künstlerischer Darstellung rütteln an uns, entgegen dem Vergessen, und geben einen persönlichen Erzählraum. Denn schon beim Vorlesen entstehen bei den Kindern die Fragen an ihre Eltern oder Großeltern: Wie war das denn damals, dieses Leben in der DDR? Wie hast du deine Kindheit erlebt? An was erinnerst du dich? Mit dem Ballon in die Freiheit verbindet Menschen, Generationen und überwindet noch einmal Mauern – hoffentlich.


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Informationen zum Kinderbuch:

Mit dem Ballon in die Freiheit*
Torben Kuhlmann und Kristen Fulton
Ravensburger Verlag

empfohlenes Lesealter ab 6 Jahren

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5 Replies to “Mit dem Ballon in die Freiheit

  1. Ich bin über diesen Teil der deutschen Geschichte noch nicht weg, Ich heule immer noch Rotz und Wasser, wenn ich darüber lese. Eine Bekannte von mir ist über die damalige Tschechoslowakei nach Österreich geflüchtet durch ein Minenfeld und über einen ziemlich hohen Zaun. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass an der tschechischen Grenze ein Minenfeld sein würde, aber sie hatte Glück. Über den Zaun kam sie, weil sie beim Militär und gut trainiert war.

    Noch ein trauriges Kapitel unserer Geschichte …

    1. Mir läuft es bei solchen Erzählungen auch heiß-kalt den Rücken runter. Ich habe ja nur zehn Jahre in der DDR gelebt und als Kind bekommt man nicht so viel mit und bewertet auch ganz anders. Aber wie viel Mut in diesen Menschen steckt, die solch eine Flucht wagen…

      1. Ich bin ja damit aufgewachsen, und ich hätte nie geglaubt, dass die Mauer mal fallen würde und die Grenzen sich öffnen würden. Nicht so wie die DDR-Soldaten sich aufführten. Sie waren ja immer zu zweit auf ihren Posten. Keiner von ihnen konnte sicher sein, dass der andere ihn nicht denunzieren würde, wenn er nicht oder daneben schoss.

        1. Wir waren jetzt eine Woche im Harz und haben auch auf Wanderwegen die ehemalige Grenze überquert. Das war schon ein seltsames Gefühl. Viele alte Gebäude in der Gegend wurden damals einfach abgerissen und der Brocken war tabu. Wie wird das wohl gewesen sein, so nah an der Grenze zu leben und in seinen Wegen so beschnitten zu sein?

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